Migrantische Organisationen – auch als Migrant:innenorganisationen bezeichnet – sind zivilgesellschaftliche Zusammenschlüsse, die von Menschen mit eigener Migrations- oder Fluchterfahrung gegründet wurden und getragen werden. Sie entstehen oft aus dem unmittelbaren Bedarf heraus: nicht in großen Institutionen, sondern im Kleinen – manchmal buchstäblich im Wohnzimmer, mit wenig Kapital, aber viel Motivation und gelebter Solidarität.

Was migrantische Organisationen von anderen sozialen Einrichtungen unterscheidet, ist die direkte Betroffenenperspektive. Ihre Mitarbeitenden kennen die Lebensrealität ihrer Zielgruppen nicht nur theoretisch: Sie wissen, wie eine Ausländerbehörde von innen aussieht, wie es sich anfühlt, monatelang auf eine Aufenthaltserlaubnis zu warten, oder wie man sich ohne soziale Netzwerke in einer neuen Sprache zurechtfinden muss. Diese gelebte Erfahrung ist eine Stärke, die in klassischen Wohlfahrtseinrichtungen selten in gleichem Maße vorhanden ist.

Ein weiteres prägendes Merkmal ist die Mehrsprachigkeit – nicht nur als praktisches Kommunikationsmittel, sondern als kulturelles und identitätsstiftendes Prinzip. Wo täglich 20 und mehr Sprachen gesprochen werden, können Bedürfnisse, Ängste und Wünsche der Menschen unmittelbar und ohne Umwege wahrgenommen werden.

Migrantische Organisationen bewegen sich dabei bewusst in einem flexiblen Selbstverständnis: Je nach Kontext verstehen sie sich als Migrant:innenorganisation, als Interkulturelles Zentrum oder als zivilgesellschaftliche Akteurin – nicht aus Beliebigkeit, sondern weil starre Identitätszuschreibungen der Vielschichtigkeit ihrer Arbeit und der Menschen, die sie begleiten, nicht gerecht werden.

Zugleich sind sie mit strukturellen Herausforderungen konfrontiert: kaum Strukturförderung, hohe Arbeitsbelastung, wenig Zeit für strategische Planung und ein Fördersystem, das sie gegenüber Organisationen in Wohlfahrtsverbänden systematisch benachteiligt. Der Wunsch nach Anerkennung als professionelle Akteurinnen der Zivilgesellschaft ist daher nicht nur symbolisch – er ist eine politische Forderung.

Warum MPower?
Migrantische Organisationen (MO) sind tragende Säulen des gesellschaftlichen Zusammenhalts in Köln. Es gibt über 180 Organisationen und Initiativen, die als migrantische Organisationen betrachtet werden können. Doch einen genauen Überblick über die jeweiligen Vereine und Initiativen gibt es bis dato noch nicht. Der Aufbau eines Netzwerkes, die damit
verbundene Steigerung der Sichtbarkeit migrantischen Engagements und die Vernetzung untereinander und mit anderen zivilgesellschaftlichen Organisationen sowie der Stadtgesellschaft und der Verwaltung sind ein wesentlicher Schwerpunkt dieser Projektidee.

Wir erhoffen uns dadurch nicht nur die Stärkung von Kooperationen, sondern vor allem auch die Förderung der Sichtbarkeit des vielfältigen Engagements, den Ressourcen und Kompetenzen der in den Organisationen engagierten Personen.
Gleichzeitig stehen gerade kleinere oder neu gegründete MO vor strukturellen Herausforderungen: fehlende administrative Kapazitäten, unsichere Finanzierungsgrundlagen, begrenzte Kenntnisse im Projektmanagement sowie mangelnde Sichtbarkeit gegenüber öffentlichen Akteuren. Das erschwert auch die Vernetzungsarbeit und
die Kooperationsmöglichkeiten können nicht umfänglich ausgeschöpft werden.

salmaabdo
Author: salmaabdo

Salma aus dem Inhaus

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